Wie schon seit Jahren wollen wir auch dieses Jahr der Sternenkreis Tradition des Paganen Jahresrückblicks frönen. Wobei wir nicht nur rein Pagane Belange betrachten, sondern auch etwas über den Tellerrand hinweg schauen allerdings musste ich zur Ressourcenstraffung dann doch ziemlich kürzen.


2017 ist im Grunde mit zwei Nachrichten aus zwei Themenbereichen eröffnet worden, die sich durch das Jahr ziehen. Rassismus (Burgos von Buchonia) und Bäume (Baumpflanzprogramm des ADF).
Ich werde diese beiden Themen somit an den Anfang und das Ende setzen, dazwischen geht es um Unterdrückung von Heidentum / Polytheismus, der wachsenden Paganen Bewegung sowie Umweltschutz und Bäume.
Und wie ihr daran erkennen könnt habe ich dieses Jahr tatsächlich eine thematische statt monatliche Sortierung gemacht. Sagt mir doch in den Kommentaren, wie ihr das findet für das nächste Jahr!  


Es ist kein Geheimnis, dass Rassisten und Rechtspopuläre ihre rassistischen Meinungen leider für immer salonfähiger halten.
Eine sehr frühe Meldung, die für Wirbel in den deutschen Paganen Gemeinschaften sorgte, war jene von Burgos' Festnahmen Ende Januar. Burghahrad B., der sich als „Burogs von Buchonia“ in Mirakulix Gewandung vermarktet, fiel schon bei einer Paganen Veranstaltung in Fritzlar durch seine völlig falschen „Christentum ist Wüstenreligion, die hier nicht hingehört“  Behauptungen negativ auf. Anfang des Jahres wurde er dann von einer Spezialeinheit festgenommen:
Einen passenden Kommentar liefert uns die Nornirsaett.


Für viel Wirbel in den USA sorgte die Asatru Folk Assembly (AFA), die durch immer stärkere rechtsextreme und rassistische Aussagen auffiel. Sie gehört zu den bekanntesten Völkischen Organisationen in den USA, die eine sehr rassistische Interpretation des Nordischen Paganismus vornimmt. Der Gründer ist Stephen McNallen, der, ähnlich wie andere Rassisten, pseudowissenschaftliche Argumente geschickt auszunutzen versucht.  Monatelang postete er in den sozialen Medien seine Ideologien. Allerdings erhielt er auch ziemlich schnell Gegenwind, da die überwiegende Mehrheit der Heiden einem inklusiven Verständnis folgt. Im Mai wurde er (endlich!) von Facebook verbannt.  

Immer wieder Rücken auch Runen in den Blickpunkt wenn es um Germanen und Nazis geht. Daher veröffentliche die Bundeszentrale für Politische Bildung im Oktober einen sehr interessanten Text über Runen und Nazis, vom Germanen Experten Rudolf Simek geschrieben.

Einen anderen Blick auf Rassismus und Rassenlehre im Mittelalter bringt das englisch sprachige Magazin Medievalist im Februar. Zum „Black History“ Monat wurden mehrere Beiträge veröffentlicht, die die „rein-weiße“ Utopia des Mittelalters, die häufig von Rassisten erträumt wird, fachlich in Frage stellt. 

Gut zu wissen auch; der völkische – und so gar nicht historisch korrekte - Hintergrund zur Runengymnastik und dem Runenstellen.

Und ein wichtiger Beitrag der die Lächerlichkeit der Rassenideologien zeigt kommt aus der Genetik. Es gibt keinen "reinen Germanen"...... Oder Kelten....Oder Wikinger.....Oder …… etc.

Viele heidnische Gruppierungen nehmen eine sehr klare Haltung für Inklusion und gegen Rassismus ein, wie z.B. hier in etwas humoristischer Weise bei der Pagan Federation Irland gesehen werden kann. 

Auch der Troth setzt sich für inklusives Heidentum (Heathenry) ein. 
Und Nick Farrell veröffentlichte im Oktober auf seinem Blogg einen Artikel weshalb Golden Dawn und Rassismus nicht zu vereinbaren sind. 




Umso den Blick auf die Paganen Gemeinschaften (und etwas drum rum) zu lenken:

Ein trauriger Fall erreichte uns im Märze aus Kanada. Er zeigt aber auch warum es wichtig ist für Anerkennung in vielen Ländern einzutreten: In Winnipeg, Manitoba wurde die Besitzerin eines Hexenladens häufiger von christlichen Gruppierungen angegriffen, die aus ihren Gründen auch keinen Hehl machten. Von der Polizei wurde dieser Fall allerdings nicht als „hate crime“ behandelt, das diese auf Vorurteile oder Hass basierend auf Religion, Rasse, Farbe, Nationaler oder ethnischer Herkunft basieren müssen. Entsprechend wurde ihr der besondere Schutz den sie ansonsten erhalten hätte verweigert, weil „Hexerei keine Religion“ sei.

Leider wird sich ohne „institutionelle Fassbarkeit“ an solchen Fällen wenig ändern. Wäre es also nicht ein guter Zeitpunkt sich zu überlegen, welche Paganen Vereine man unterstützen könnte?

Die Pagan Federation arbeitet international und hat auch einen nach deutschem Gesetz anerkannten Verein die Pagan Federation Deutschland.  Sie sieht sich als Verband für unterschiedliche Pagane Richtungen und ein sehr weiter internationales Netzwerk. .
Ár nDraíocht Féin ist eine internationale Religionsgemeinschaft  mit Indo-europäischem Fokus   (Germanisch, Angelsächsisch, Gallisch, Walisisch, römisch etc.). ADF  ist in den USA offiziell anerkannt. 
Eldaring ist der größte deutsche Verein für das Germanisch – Nordische Heidentum und der größte deutschsprachige Verein überhaupt. 
Auch der Verein für Germanisches Heidentum ist relativ groß  
Daneben gibt es natürlich auch eine Vielzahl kleinerer Vereine - es ist aber auch immer gut einer Internationalen oder größeren Organisation auch anzugehören. Manchmal geht es einfach darum die Idee zu unterstützen. 

Eine Seite die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und sich auf staatlich (teils) anerkannte Organisationen konzentriert findet ihr hier

Passend zum Monat des Hypatia Gedenktages im März, den der Sternenkreis 2011 ins Leben rief hat die Stadt Basel in der Schweiz eine Gedenktafel für Hexen und andere Verfolgte auf und versucht damit ihre moralische ethische  Verantwortung zu übernehmen.


Bild von 2015


Im Zeichen der Religiösen Intoleranz steht  die Meldung, dass eine 100 Fuß hohe Statue des in mehreren chinesischen Religionen als Gottheit verehrten Generals Guan Yu in der Ostjavanesischen Provinz in Indonesien verhüllt werden musste. Eine Muslimische Onlinecampagne drohte diese Niederzureißen.

Natürlich waren das nicht die einzigen Meldungen, aber für mich die, die mir am meisten aufgefallen waren. Dem gegenüber steht das immer noch stetige Wachstum des Paganismus:
Im August taucht in einer Meldung Paganismus in Südwest England als 2. Beliebteste Religion auf.

Auch an der 3. Langen Nacht der Religionen nahmen wieder mehrere Pagane Gruppierungen teil:
Unter dem Titel Pagane Wege und Gemeinschaften Berlin:


 
Und auch der Eldaring nahm daran teil. 

Einen Bericht mit einem Videobeitrag findet ihr hier bei Paganes Leben Berlin

Der Kessel, die zurzeit einzige vereinsunabhängige deutschsprachige Zeitschrift für Heidentum, Polytheismus, Naturreligion in Deutschland hat im Juni ein kleines YouTube video veröffentlicht, vielleicht gibt es ja bald noch mehr:  
Unterstützen oder mehr herausfinden über den Kessel könnt ihr hier:
https://www.kessel.vision/

 


Jon Drum, gewählter Erzdruide des ADF und Philipp Carr-Gomm, Oberhaupt des OBOD haben sich im Juni in England getroffen, ein paar Tage miteinander verbracht und über die Gemeinsamkeiten des gelebten Druidentums gesprochen. Drum erzählt in seinem Blog Beitrag über seine sehr positiven Erlebnisse, Inspirationen und daraus geknüpften Bande zwischen diesen beiden größten druidischen Organisationen.

Ebenfalls im Juni wurde die erste ADF Priesterin der europäischen Region ordiniert


Mit großem Erfolg hat Three Cranes Grove, ADF wieder die „Druidische Messe“ im August beim Dublin Irish Festival in Ohio abgehalten. Sie erhalten dabei die gleiche Zeit wie die Mainstream Kirchen. An der Zeremonie nahmen ca. 200 Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen teil, während über 400 im Facebook livestream sich anschlossen.

Im September fand wieder die PFI Konferenz in Berlin statt. Leider weniger besucht als die letzten oder die lange Nacht der Religionen, kam doch eine sehr schöne Gruppe zusammen und viele interessante Beiträge, so dass man sich wirklich die Frage stellen muss – wo ist der ganze Rest der Heiden und warum kommen sie nicht?
Bilder PFI Konferenz findet ihr hier, woran man auch sieht wieviel Mühe da rein geflossen ist.
Ich selbst habe daran teilgenommen und wollte eigentlich schon längst meinen Vortrag in einer Artikelreihe veröffentlichen. Einer ist bisher fertig.

Im Zuge der PFI Konferenz fand auch die erste deutsche Pagan Pride Aktion statt.

Zu den traurigen Nachrichten des Septembers gehört auch das Autor Raymond Buckland am 28.9. im Alter von 83 Jahren verstarb.
Der in Amerika lebende Engländer gehörte mit seiner Frau zu den ersten Wicca Praktizierenden in den Vereinigten Staaten und gründete den ersten Gardner Wicca Coven in New York City und möglicherweise in den Vereinigten Staaten überhaupt. Später begründete er mit Seax Wicca eine eigene Linie die keiner Initiation bedurfte. 


Als Antwort auf den in den Sozialen Medien vertretenen Rassismus durch die AFA propagiert fand  im Oktober in Deutschland zum ersten Mal die Frith Forth Konferenz für inklusives Heidentum (Heathenism) statt. Vertreter mehrerer Organisationen die für ein inklusives Heidentum einstehen waren anwesend.
Da ich meinen immer noch nicht fertig habe hier ein Bericht vom Troth (Engl.)




Es ist zwar umstritten, aber der 28. November 1717 könnte tatsächlich den Geburtstag des modernen Druidentums darstellen. In der Apfelbaum Taverne in London wurde nach Ross Nichols der ADO – Ancient Druid Order gegründet. Laut dem Historiker Ronald Hutton gibt es allerdings erst im Jahr 1792 einen Beweis dafür.
Dennoch ist es vielleicht angebracht vorsichtig zu sagen: Alles Gute zum 300. Geburtstag an die Druidische Bewegung!


Von künstlerischer Seite sind erwähnenswert
Damh the Bard veröffentlich ein lang gehegtes Projekt: Y Mabinogi: the First Branch.
Wer sie noch nicht kennt

Zu den fröhlichen und „inspirierenden“ Nachrichten gehört, dass ADF Mitglied James Myers beim San Francisco International New Concept Film Festival  im November für seinen Kurzfilm „Awen“ einen Preis gewonnen hat.

Eine wahre Schatztruhe an Paganen Liedern wurde dieses Jahr von Birgit aus dem Werkelwald veröffentlicht.

Der Wachstum und das Professionalisieren der Paganen Bewegung zeigt sich auch in mehreren Tempel, Hof- und Schrein bauten die in diesem Jahr realisiert wurden:
Im Mai wurde in Lettland ein Paganer (Dievturi) Tempel eröffnet:

Der Cernunnos Schrein des Cascadia Hains, ADF auf dem White Mountain Temple Complex wurde im Juli von Kirk Thomas beim 8 Winds Festival geweiht.
John Becket berichtet darüber und über andere Schreine hier.

Ein Römischer Tempel für Jupiter Perunus wurde Anfang September in Poltava in der Ukraine geweiht.  Das ehrgeizige Projekt sollte auf jeden Fall weiter im Auge behalten werden.

Bevor wir den Blick auf die Bäume bringen noch kurz ein paar Meldungen aus dem Umweltschutz:

Im September machte die Nachricht vom Regenwurm die Runde. Eine Tierart die ich immer als sehr selbstverständlich angesehen habe und über die ich nie groß nachgedacht habe ist in großer Not.

Das Glyphosat wieder eine Zulassung erhalten hat hat viele innerhalb der heidnischen Gemeinschaft erbost. Ich gehört zuerst auch zu denen. Ich bin nicht ganz auf die andere Seite gegangen, aber ich muss zugeben, dass ein Artikel von Mimikama, der sich mit den Alternativen auseinandersetzt mich etwas zum Umdenken gebracht habe. Meine persönliche Position muss ich aus dem totalen Kontra in im Lichte der neuen Gedanken noch finden, aber so ganz unrecht haben sie auch nicht – ist die Alternative nicht noch schlimmer? Natürlich, am liebsten alles Bio. Aber wenn das noch nicht geht, vielleicht doch besser als die Alternativen?

Und schön ist auch der Beginn eines Umdenkens in der Landwirtschaft, wo Kühen Elternzeit erlaubt wird. Wenige wissen, dass selbst beim Biobauern den Mutterkühen sehr früh die Kälber entzogen werden. Dass es auch anders geht zeigt diese Nachricht und wir hoffen, dass sie Schule machen wird.

Ich hatte zu Beginn erwähnt, dass die Bäume meiner Meinung nach dieses Jahr besonders im Blickfeld waren:

Zu den schönen Nachrichten des Januars gehörte, dass der ADF Mutterhain eine Kooperation mit American Forest eingegangen ist und erst einmal probehalber für 2017 für jedes neue Mitglied einen Baum pflanzt. Damit sollen die Werte der druidischen Religionsgemeinschaft, die in den USA eine anerkannte „Kirche“ ist praktisch unterstützt werden.  

Insbesondere die Druiden sind für ihren Fokus auf Umweltschutz bekannt. So hat auch der OBOD eine Baumpflanzaktion, die allerdings mehr auf darauf basiert, dass die Mitglieder Bäume pflanzen, anstatt das die Organisation die Bäume spendet.
Beides hat aber einen sehr großen Wert und kann gut nebeneinander laufen: 
Wir hoffen, dass 2018 die Nachricht kommt, dass das Projekt für ADF und American Forest weiter läuft.


Während dieses gesamten Jahres begleiteten uns immer wieder Meldungen zum Hambacher „Hambi“ Forst.


Dem Widerstand gegen dessen Abholzung für die Erweiterung des dortigen Kohlebaus schlossen sich von Anfang an auch unterschiedliche heidnische Personen und Gruppen an. Wo letztes Jahr viel Solidarität für Standing Rock aufgebracht wurde, wurde dieses Jahr ins Bewusstsein gerückt, dass „Turtle Hill ist im Hambacher Forst“ 
Sehenswert:
Rote Linie 1 
Offene Herzen im Hambacher Wald 2. Rote Linie
Schamanen im Hambacher Wald, 3. Rote Linie
weiteres Video
Und hier der wunderschöne Hambi Heilungsmantra von Hilde Brun



Fast die traurigste Nachricht ist für mich die vorletzte des Berichtes hier. Sie ist nicht groß und auf den ersten Blick nicht weltbewegend, denn es sind nicht tausende von Menschen dabei gestorben. Aber manchmal sind die wichtigen Dinge nicht immer jene die sich in den Vordergrund drängen.
Der Älteste Baum der Welt wurde gefällt.
Der große Samauma Baum wurde auf 5,800 Jahre geschätzt und gehörte zur kulturellen Landschaft des dort heimischen Matsé Stammes. Sie haben  über Generationen hinweg seine Beständigkeit bewundert haben und ihn als „Mutterbaum“ in ihre Kultur aufgenommen haben.
„Für viele Generationen hat der Mutter Baum Gesundheit und glück den Menschen gebracht.“
„Es ist der Muttergeist des Regenwaldes, der Baumgeist aus dem die Lebenskraft allen Lebens kam. Sie haben Aotlcp-Awak zerstört und Dunkelheit nicht nur über unser Volk, sondern über die ganze Welt gebracht“  -erklärt Tahuactep, er Stammesführer. Und ihr Schamane Kalahuaptl fragt „Was jetzt aus den  Tieren und Pflanzen werden wird. Der Stamm geht auch davon aus, dass sie den Mutterbaum absichtlich getötet haben.

Ich möchte dieser Nachricht aber auch eine der Hoffnung entgegensetzen:
Im März 2017 erhielt der Whanganui Fluss in Neuseeland den legalen Status einer lebenden Person und wird zukünftig von zwei Menschen repräsentiert. Damit geht ein 160 Jahre langer Kampf der Maori um die besondere Anerkennung dieses Flusses, der schon seit sehr alter Zeit verehrt wurde zu Ende.
"Aus dem Blickwinkel des Whanganui iwi Stammes ist das Wohlergehen des Flusses direkt mit dem Wohlergehen der Menschen verbunden und so ist es sehr wichtig, dass es als eigenständige Person anerkannt wird". Der Whanganui, der drittlängste schiffbare Fluss in Neuseeland, ist ihr Ahne. 

 

Die bisherigen Jahresrückblicke:

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Ishtar antwortete auf das Thema: #14742 31 Dez 2017 17:40
Weil ich sie gerade selbst suchen musste, einmal kurz die letzten Jahre hinzugefügt.
Tahira antwortete auf das Thema: #14749 05 Jan 2018 11:03
Danke für den guten Artikel :)

Kommentar: warum konnten sie nicht zur PFI: mal wieder ein Dienstwochenende ;) aber das ist ja jetzt vorbei