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Hypatia, Agora und die Säulen des Himmels PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Donnerstag, den 07. Januar 2010 um 11:34 Uhr

Im März 391 (nach anderen Quellen 415) wird in Alexandria, dem Schmelztiegel der Religionen und des Wissens der alten Welt, die neuplatonische Philosophin und Astronomin Hypatia von einem aufgebrachten christlichen Mob ermordet. Mit ihr wurde nicht nur ein Symbol heidnischer Weisheit und Wissenschaft umgebracht, sondern sie kann auch als das erste Opfer der christlichen Hexenverfolgung angesehen werden.

Rund 1500 Jahre später, im März 2010 kommt ein Film mit ihrer Geschichte in Deutschland und den USA in die Kinos.

Der Film hatte in den USA Schwierigkeiten einen Vertrieb zu finden, da einige Firmen Vorbehalte hegten, die Thematik des Films könnte einige christliche Mitbürger (die sich nicht gerne in der Rolle der Täter sehen) verärgern. Man könnte anfügen, dass die Wahrheit, der sich Hypatia so verpflichtet fühlte, auch hier siegte. Hypatia, die in den Kritiken des Films nicht ganz korrekt als Atheistin bezeichnet wird findet sich auch in der obligatorischen Hollywood-Liebesbeziehung wieder. Positiv konnte ich auf dem Trailer aber bereits vermerken, dass die Tempel nicht im puristischen weiß erstrahlen, sondern archäologisch präziser angemalt wurden.

Agora, so der Name des Films, spielt im vierten Jahrhundert des römischen Ägyptens in der Stadt Alexandria. Rachel Weisz spielt Hypatia, Max Minghella Hypatias Sklaven Davus. Dieser ist hin und her gerissen zwischen der Liebe zu seiner Herrin und der Möglichkeit durch das Christentum ein freier Mann zu werden. Trefflich wurde hier gezeigt, dass viele Skalven, die sich dem Christentum anschlossen dies nicht (nur) aus Überzeugung des Glaubens taten, sondern das Christentum oftmals als Mittel zum Zweck missbraucht wurde.

Der Oscar-Gewinner Alejandro Amenábar gehört zu den profiliertesten Regisseuren Spaniens. Der Großteil des Films wurde auf der Insel Malta – bekannt für ihre Göttinnenheiligtümer – gedreht.

Der Film theamtisiert nicht nur Hypatia, sondern auch den Untegang der Bibliothek von Alexandria, dem Museion.  Es ist unklar wann genau das Museion zerstört wurde, aber Synesios von Kyrene, der unter Hypatia studierte liefert uns den letzen Hinweis darauf. Mostafa El-Abbadi (Life and Fate of the Ancient Library of Alexandria 1992) geht davon aus, dass das Museion, der “Schrein der Musen”, die Zerstörung aller heidnischen Tempel nach dem Edikt von Theodosius 391 nicht lange überlebte.

Im Film versucht Hypatia das Wissen der Bibliothek zu beschützen, eine Rolle die ihr sicherlich auch im wahren Leben entsprechen würde.

Die historische Hypatia (oder Hipatia) wurde um das Jahr 370 geboren und stellt ein Symbol der heidnischen Weisheit und Wissenschaft dar. Bereits ihr Vater Theon von Alexandria, Gelehrter der Mathematik und der Philosophie lehrte am Museion. Hypatia selbst lehrte Philosophie, Astronomie, Mathematik und Musik. Sie hielt Beziehungen zu mehreren wichtigen Politikern der Stadt, ebenso zu Orestes (der im Film auch in sie verliebt ist). Obwohl sie eine Frau war erhielt sie einen Lehrstuhl im Museion, was für ihren gewaltigen Einfluss spricht. Synesios von Kyrene war Hypatia Schüler und zeigt, dass Hypatia keinen religiösen Unterschied machte bei der Wahl ihrer Schüler. Ebenso wurde sie auch von vielen Christen der damaligen Zeit geachet. In seiner Kirchengeschichte beschreibt sie Sokrates Scholastikos wie folgt: „Es gab in Alexandria eine Frau mit Namen Hypatia, Tochter des Philosophen Theon, die in Literatur und Wissenschaft so erfolgreich war, dass sie alle Philosophen ihrer Zeit übertraf. Zugelassen zur Schule Platons und Plotins hielt sie Vorlesungen über die Grundlagen der Philosophie. Viele Hörer kamen von weither, um von ihr unterrichtet zu werden. Dank ihres souveränen Auftretens und ihrer eleganten Erscheinung, die sie sich als Folge ihrer Geisteskultur angeeignet hatte, erschien sie häufig in der Öffentlichkeit in Gegenwart hoher Staatsbeamter. Sie scheute sich auch nicht, in öffentliche Versammlungen von Männern zu gehen. Alle Männer bewunderten sie dafür auf Grund ihrer außerordentlichen Würde und Tugend umso mehr

Obgleich ihr mehrere Werke zugeschrieben wurden, ist keine Originalschrift von ihr erhalten geblieben. Die Erfindung des Astrolabiums (griech. Stern-Nehmer), ein Gerät zur Winkelmessung am Himmel, das die Sternkarthographie unterstützt, wird ihr zugeschrieben. 

Das man Hypatia in den Kritiken Atheistin bezeichnet ist nicht korrekt, denn sie war Neuplatonikerin. Der Neuplatonismus geht von der Existienz eines unbeschreibliches „Einen“ aus, das sich in einen Weltgeist, eine Weltseele und schließlich in die physische Welt in  sogenannte Emanationen „verströmt“. Die Seele, oder nichtstoffliche Welt, bringt demnach die Materie hervor. Der Neuplatonismus hat besonders die mittelalterliche Mystik beeinflusst, aber auch mit Marsilio Ficini und Giovanni Pico della Mirandola die Renaissance. Auch die Quabbalah wurde in hohem Maße vom Neuplantonismus geprägt. Hier zeigt sich wiederum, dass Wissenschaft für eine Naturreligion keine Bedrohung darstellt und es möglich ist im gemeinsamen Einklang zu leben.

 

Hypatia starb eines gewaltsamen Todes. Sokrates Scholastikus beschreibt ihren Tod folgendermaßen: „Aber sogar sie fiel dem politischen Neid zum Opfer, der zu jener Zeit herrschte. Denn da sie häufig mit Orestes Gespräche führte, wurde unter der christlichen Bevölkerung verleumderisch verbreitet, dass sie es sei, die Orestes daran hindere, sich wieder mit dem Bischof (damals Kyrill von Alexandrien) zu versöhnen. Daher lauerten ihr einige, die von einem wilden und scheinheiligen Ehrgeiz getrieben wurden, deren Anführer ein Vorleser namens Petros war, auf ihrem Heimweg auf, zogen sie aus ihrer Kutsche, brachten sie in die Kirche namens Kaisarion, wo sie sie nackt auszogen und sie dann mit Ziegelsteinen erschlugen. Nachdem sie ihren Körper in Stücke gerissen hatten, brachten sie ihre verstümmelten Glieder zu einem Ort namens Kinaron und verbrannten sie dort.“

Das Mordmotiv ist nicht völlig geklärt. Zur damaligen Zeit gab es einen Konflikt zwischen dem Stadtoberhaupt Orestes und dem später ehilig gesprochenen Bischoff Kyrill von Alexandria. Es gab auch immer wieder aufflammende Mächtkämpfe zwischen Christen und Heiden. Fanatische und fundamentalistische Christen verlangten die völlige Ausrottung des Heidentums. Der Patriarch von Alexandria, Theophilus, ließ schließlich alle heidnischen Temepl 391 zerstören. Ein Dekret des Kaiser Theodosius I. hatte bereits die Zerstörung des Serapeums, eines Tempels und Zweigstelle der Bibliothek befohlen, angeblich weil sich dort heidnische Fanatiker, die Christen zum Opfern gezwungen hatten versteckten. Interessanterweise hatte er die Heiden nicht umbringen lassen, sondern ordnete die Zerstörung des Heiligtums an. Der Anklang eines Vorwands ist nicht zu ignorieren.

Aus einem Brief des späteren Bischof Synesios von Kyrene (370 – 413) wird ersichtlich, dass die damaligen Bestände der Bibliothek überarbeitet wurden, um sie mit dem christlichen Dogma in Einklang zu bringen. Eine Praxis die uns durchaus an aktuelle Diskussionen erinnert in der fundamentalistische Christen die Evolutionslehre aus den Biologiebüchern an christlichen Schulen streichen.
Auf ein Dekret des Kaisers Constantius II. erklärt wie man mit sogenannten Zauberern und Hexen umzugehen habe. Die beschriebenen Maßnahmen passen zum Tod Hypatias, so dass man sie als erstes Opfer der christlichen Hexenverfolung ansehen kann (Soldan und Heppe 1990). Besonders im Kommentar von Johann von Nikiu aus dem 7. Jh. wird dieser Aspekt noch einmal sehr deutlich „und in jenen Zeiten erschien in Alexandria eine weibliche Philosphin, eine Heidin genannt Hypatia und sie widmete ihre Zeit der Magie, Astrolaben und Instrumenten der Musik und sie betörte viele Männer durch satanische Listen.“

Vertauscht man die Rollen von Christen und Heiden existieren zwischen Hypatia und der nicht gesicherten Heiligen Katharina von Alexandrien große Parallelen, so dass es mehrere Theorien gibt die darauf hinauslaufen, dass Katharina von Alexandrien eine christianisierte Geschichte Hypatias erzählt.

In der Suda, einer byzantinischen Enzyklopädie wird erzählt, Hypatia sei die Frau von Isidor dem Philosophen gewesen, aber eine Jungfrau geblieben. Ebenda erscheint eine Erzählung, sie habe einen Verehrer zurückgewiesen in dem sie ihm ihre Menstruationsbinden zeigte und erzählte, dass es keine Schönheit in fleischlichen Gelüsten gäbe.


Hypatia in der Kunst:
- in Raphaels: Scuola die Athene kann man Hypatia links unten nebem dem Mann in gelben Kleid mit blauen Umhang sehen. Sie trägt ein weißes Kleid und ihr Gesicht ist dem Betrachter zugewandt
- Charles William Mitchell’s Hypatia kann hier betrachtet werden.

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 07. Januar 2010 um 20:59 Uhr
 
Diskutieren (1 Posts)
Aw: Hypatia, Agora und die Säulen des Himmels
Jul 23 2010 19:28:51
Hat denn jemand hier den Film gesehen und wie fandet ihr ihn?
#9227

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